Strompreise höher als Hartz IV Regelbedarf

Steigende Strompreise werden für Hartz IV-Bezieher zum Armutsrisiko

02.01.2014

Die steigenden Stromkosten bedeuten für einkommensschwache Haushalte wie Geringverdiener, Sozialhilfe- und Hartz IV-Bezieher eine große finanzielle Belastung. Viele sind nicht mehr in der Lage, ihre Stromrechnung zu bezahlen, da diese nicht meist deutlich über dem Betrag liegt, der im Regelsatz für Energiekosten enthalten ist. Wohlfahrtsverbände weisen bereits seit einiger Zeit daraufhin, dass die Leistungen zur Grundsicherung angepasst werden müssen, zumal das Bundesverfassungsgericht dies vom Gesetzgeber eindeutig fordert. Dennoch passierte bislang nichts. Die Erhöhung des Regelsatzes um neun Euro (für Ein-Personenhaushalte), die ab diesem Jahr gilt, ist viel zu gering, um damit die steigenden Lebenshaltungs- und Stromkosten aufzufangen.

Hartz IV-Betrag für Strom ist viel zu gering
Wie aus einer Untersuchung des Energie-Vergleichsportals Verivox für die Süddeutsche Zeitung hervorgeht, geraten immer mehr einkommensschwache Haushalte in Deutschland aufgrund steigender Strompreise in finanzielle Schwierigkeiten. Demnach wird die monatliche Stromrechnung 2014 für Hartz IV-Haushalte um mehr als ein Fünftel höher ausfallen als der Betrag für Energiekosten, der in der staatlichen Grundsicherung enthalten ist. Wie die Zeitung weiter berichtet, haben etwa ein Drittel der 1.100 Energieversorger angekündigt, ihre Preise in diesem Jahr im Schnitt um drei Prozent zu erhöhen.

Für einen Ein-Personen-Haushalt wird ein durchschnittlicher Jahresverbrauch von 1.500 kWh angenommen. Das entspricht Stromkosten in Höhe von etwa 473 Euro pro Jahr und 39,42 Euro im Monat. Der Hartz IV-Regelsatz beinhaltet jedoch lediglich 32,69 Euro für Strom und Instandhaltung der Wohnung. „Damit sind die Leistungen für Hilfsbedürftige im Bereich Strom um mindestens 21 Prozent zu niedrig", erklärte Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleistung des Vergleichsportals, gegenüber der Süddeutschen. Der Betrag sei allein für Strom schon zu knapp kalkuliert. „Wenn eine Fliese bricht oder ein Siphon zu erneuern ist“, reiche das Geld hinten und vorne nicht mehr, so Lengerke.

Die Ärmsten zahlen die höchsten Strompreise
Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zufolge wird die Strompreiserhöhung acht Millionen Haushalte hart treffen. Dazu zählen nicht nur Hartz IV-Bezieher sondern unter anderem auch Wohngeldempfänger, Bezieher von Sozialhilfe sowie Menschen mit einer geringen Alter- oder Erwerbsminderungsrente, die auf staatliche Leistungen angewiesen sind. Für die Betroffenen sind die steigenden Energiekosten längst zum „Armutsrisiko geworden", erklärte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, gegenüber der Zeitung. Er geht von einer zusätzlichen Belastung in Höhe von 90 bis 280 Euro pro Jahr für die einkommensschwachen Haushalte aus, die durch die steigenden Stromkosten entsteht. „Die Explosion der Strompreise wird weder zeitnah noch realitätsgerecht in der Höhe der Regelsätze abgebildet, obwohl das Bundesverfassungsgericht vom Gesetzgeber dies ganz klar eingefordert hat", mahnte Schneider.

Häufig können Hartz IV-Bezieher nicht einmal zu einem günstigeren Energieversorger wechseln, da die Anbieter eine Bonitätsprüfung vor Vertragsabschluss durchführen. Einkommensschwache Haushalte fallen dabei häufig aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten in der Vergangenheit durch und werden deshalb von vielen Stromanbietern als Neukunden abgelehnt. Auch das Alter und der Wohnort können eine Rolle spielen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Verivox. Demnach zahlen die ärmsten Verbraucher die höchsten Preise.

Seit 2005 haben sich die Strompreise bundesweit durchschnittlich um 44 Prozent, die Gaspreise um 31 und die Kosten für Fernwärme um 45 Prozent erhöht. Angaben der Bundesnetzagentur wurden 2012 rund 322.000 Stromsperren verhangen. Nicht selten waren auch Kinder, kranke und alte Menschen davon betroffen. (ag)




Bild: La-Liana / pixelio.de

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