Hartz IV Aufstockung zur Lohnminderung

Viele Unternehmen planen Hartz IV mit in die Lohngestaltung ein

24.01.2012

Laut einer wissenschaftlichen Studie der Hans-Böckler-Stiftung nutzen Unternehmen sogenannte Minijobs, um Personalkosten zu sparen. Leidtragende sind die Beschäftigten, die oftmals ihre geringe Entlohnung mit Hartz IV aufstocken müssen.

Die Forschungsergebnisse der Hans-Böckler-Stiftung zeigen, dass Minijobs keine „Brücke“ in die reguläre Beschäftigung sind, wie immer wieder von der schwarz-gelben Bundesregierung betont wird. Besonders deutlich wird der Lohnrückstand bei den geringfügig Angestellten, die trotz eines Minijobs ihren kargen Lohn mit dem Arbeitslosengeld II aufstocken müssen. „Das ist ein Indiz, dass viele Unternehmen das Aufstocken mittels Hartz IV bei der Festsetzung des Lohns berücksichtigen“, heißt es in der Studienauswertung. Denn der „Hinzuverdienst mit Absicherung des vollbeschäftigten Ehepartners“ stimmt in der heutigen Zeit des Niedriglohns kaum mehr.

Jede fünfte Arbeitsstelle ein Minijob
Laut Ergebnisse war im Frühjahr 2011 jedes fünfte Beschäftigungsverhältnis in Deutschland ein „Minijob“. Somit arbeiten 7,3 Millionen Menschen als sogenannte Minijobber. Für etwa 4,8 Millionen Menschen (darunter 3,2 Millionen Frauen) ist der Minijob die einzige Erwerbsmöglichkeit. Zwar müssen die Betroffenen keine Einkommenssteuern zahlen, allerdings erwerben sie keine oder nur kaum Ansprüche auf eine Arbeitslosen- oder Rentenversicherung. “Der steile Aufstieg von Minijobs im deutschen Beschäftigungssystem ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie sich im Einzelnen begründbare Praktiken verselbständigen und immer weiter weg führen von zukunftsfähigen Lösungen für eine moderne Erwerbsgesellschaft“, resümieren die Forscher.

Im Jahre 2009 arbeiteten etwa 88 Prozent der Betroffenen, die ausschließlich einen Minijob ausübten für einen Niedriglohn, der weniger als 9,76 Euro pro Stunde im Westen und im Osten weniger als 7,03 Euro brutto betrug. Minijobber waren in etwa vier mal so häufig von einem Niedriglohn betroffen, als normal sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. 58 Prozent der 1,2 Millionen Arbeitnehmer, die weniger als fünf Euro pro Stunde brutto verdienen, arbeiten in einem Minijob. Laut einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden sowie der Bundesagentur für Arbeit (BA) verdienen geringfügig Beschäftigte durchschnittlich weniger als neun Euro pro Stunde. Das ist noch nicht einmal halb soviel, wie Beschäftigte in einer Vollzeitstelle.

Besonders betroffen: Hartz IV Bezieher
Besonders hart trifft Hartz IV Bezieher. Die verdienten in einem Minijob im Jahre 2009 weniger als 6,08 Euro je Stunde. Laut der Hans-Böckler-Stiftung lasse sich diese massive Unterbezahlung nicht mit einer geringeren Qualifikation der Betroffenen erklären. Auch hier wird dieses Argument immer wieder von Seiten der schwarz-gelben Koalition angeführt. Daher halten es die Forscher für denkbar, dass vielerorts Hartz IV als Aufstockung bei Einstellung mit eingerechnet wird. So muss der Steuerzahler die geringe Entlohnung für das Unternehmen mit Zahlungen von Sozialleistungen ausgleichen und der Betroffene muss Hartz IV trotz einer Arbeitsstelle beantragen. Daher sei aus wissenschaftlicher Sicht, eine „allgemeine Brückenfunktion in den regulären Arbeitsmarkt durch Minijobs ist nicht erkennbar“, wie die Studienautoren schreiben. Denn nur neun Prozent wechseln später in eine „Normalbeschäftigung“.

Altes Minijob-Modell stimmt kaum noch
Angedacht waren einmal die Minijobs für Ehefrauen, die aufgrund des Familiennachwuchses nur zeitweise arbeiten gehen können. Das Gesamteinkommen soll nach dem Modell der Familienvater übernehmen. Doch laut Studie trifft das heute nunmehr nur auf 40 Prozent der Minijobberinnen zu. Viele Frauen müssen vielmehr eine geringfügige Beschäftigung annehmen, weil es faktisch keinen anderen Arbeitsplatz gibt. (sb)

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